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Sonstiges | Beitrag zu FOREFLIGHT, oder: goodbye JFD VFR, oje Boeing....
4. Juli 2020: Von Michael Radtke an _D_J_PA D. Bewertung: +7.00 [7]

@JD

Servus + vielen Dank für Dein schnelles Feedback.

Aber in Kürze retour: Wenn der Sinn einer VFR-App nicht maßgeblich darin besteht, als Pilot in der Luft den Überblick und die Orientierung über Lufträume und Strecke zu behalten, wüßte ich nicht, was sie sonst noch leisten sollte?

Besten Gruß, MR

[Beitrag im Zusammenhang lesen]


Sonstiges | Diskussion FOREFLIGHT, oder: goodbye JFD VFR, oje Boeing....
4. Juli 2020: Von Michael Radtke  Bewertung: +17.00 [17]

Ich habe in meinem Leben kaum Beiträge für irgendwelche Foren geschrieben... aber als leidenschaftlicher VFR-Pilot (PPLA seit 25 Jahren) fühle ich mich anderen VFR-Piloten verpflichtet, nachdem ich durch Foreflight - den "Nachfolger" von JFD VFR - in eine wirklich unangenehme Situation gekommen bin.

Aktuelle Tests/Einschätzungen von Foreflight habe ich kaum im Netz gefunden - nur hochlobende Artikel diverser Magazine und Piloten, die sich offensichtlich 24 Stunden am Tag mit nix anderem als dem Fliegen beschäftigen.

Eines vorweg: Zu dieser Personengruppe zähle ich nicht. Ich war nie Profipilot, ich will auch nie einer werden, habe auch noch andere Hobbies und ich möchte lediglich möglichst sicher als VFR-Pilot - gelegentlich (wenn das Wetter eben mitmacht) - unterwegs sein und ich liebe das Fliegen!

Es gab bis vor kurzem die großartige App "Jeppesen Flightdeck VFR" - wunderbar, ein echtes Geschenk für VFRler: Großartige glasklare Karten, mit Wetterlayer, Notams und allen wichtigen Informationen blitzschnell zur Hand, ein Fingertip auf das iPad genügte, Manual? Eigentlich gab es keines - nur ein paar Seiten - denn man brauchte auch keines.

Flugplanung eines Fluges von D nach I war in 15 Minuten erledigt. Einstellen konnte man an der Software kaum etwas, eben nur das, was man auch wirklich für die Planung und im Flug benötigte. Einmal abgehoben, tat die wunderbare Software ihren Dienst, wieder gelandet, alle Infos gespeichtert. Ende. Supersicheres Fliegen also, da man sich auf das Schöne und Wichtige beim VFR-Fliegen - RAUSSCHAUEN! - eben wunderbar konzentrieren konnte. Eine echte Verbesserung und ein großer Sicherheitsgewinn zu dem klassischen Papierkartengefummel auf den Oberschenkeln.

Dann wurde Foreflight angekündigt, die Einstellunge von JFD VFR. Mir dämmerte Schlimmes und genauso kam es:

Eine - für VFR-Piloten - vollkommen überfrachtete App, mit einem 439 (!) Seiten starken Manual, 1000 Einstellungsmöglichkeiten - und eben 1000 Fehlerquellen. Für VFR-Piloten wichtige Infos in den mitgelieferten Karten (z.B. Höhe der Berge in den Alpen??? Hallooooo Boeing!?!) fehlen komplett oder ich habe sie leider immer noch nicht gefunden. Flugplanung mit einer variierenden Höheneinstellung der unterschiedlichen Legs? Fehlanzeige! Wie gesagt, wir sprechen von einer VFR-App! Höhe! Das Flightlog zum ausdrucken ist derartig unübersichtlich, dass man sich das Ausdrucken direkt sparen kann - eine Hilfe ist das im Flug nicht, man verliert sich völlig im Zahlenchaos.

Aber, was will man machen, JFD VFR gibts ja nicht mehr: Nach wirklich mehrtägigem Studium der App und des Manuals machte ich mich also mit Foreflight auf nach Italien. Wollte ich. Nachdem über den Alpen ein paar Wolken aufzogen (normalerweise kein Ding) und ich einen Umweg durch diverse Kontrollzonen (Schweiz) hätte fliegen müssen, hatte ich derart Mühe, mich in der App zu orientieren, dass ich kurzerhand den Flug stoppte und wieder umdrehte. Schweizer Berge, Wolken und eine unübersichtliche App? Das war mich echt zu stressig.

Achja, ein paar Tage zuvor war ich dank Foreflight noch "aus Versehen" in Luftraum C eingeflogen - FIS hatte mich dann aufmerksam gemacht. Das ist mir in 25 Jahre VFR-Fliegerei noch nie passiert! Mal gucken, wie hoch der Bussgeldbescheid (mein 1. überhaupt) ausfallen wird.

FAZIT: Foreflight ist - meiner Meinung nach - total ungeeignet für eine einfache VFR-Flugplanung/Durchführung und sorgt durch die überfrachtete Konzeption und eigentümlichen Karten nicht für Sicherheit in der Luft. Man ist ständig beschäftigt, auf dem iPad rumzufummeln und irgendwelche Infos abzurufen und wenn die Anspannung mal groß wird, - dann hilft einem diese Software garantiert nicht weiter, weil man den richtigen Button nicht findet, die Mikroschrift auf den Vektorkarten nicht lesen kann (denn die bleibt auch klein, wenn man den Abschnitt größer zieht) usw usw.

Aber wenn man dann den Absturz überlebt hat, weil man keine Zeit hatte, zum Fenster rauszugucken, kann man sich den Flug in den Boden dann in der App als 3D-Film animiert angucken, große Klasse! ;-))

Spass beiseite: Warum um Gotteswillen hat Boeing die JFD VFR nicht im Markt gelassen? Als Alternative? Ich glaube, viele VFRler werden im Laufe der Zeit zu Skydemon & Co. wechseln - Boeing wird auch in diesem Feld verlieren. Keine gute Entscheidung.

Über ähnliche Erfahrungen oder gerne auch "Gegenansichten" oder Erfahrungen mit anderer Software, die JFD VFR das Wasser reichen kann, freue ich mich.

[Beitrag im Zusammenhang lesen]

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