1. September 2026 19:09 Uhr Redaktion  Flugbetrieb: Hype

KI in der Fliegerei: Schwätzer, Nerds und ein Hoch auf keine Ahnung!

Kennen Sie noch den Typen aus der Schulzeit oder von der Uni? Der zu jedem Thema etwas zu sagen hatte? Der mit 100 % Sicherheit weitgreifende Deklarationen und Erklärungen abgab und dem nach einiger Zeit niemand mehr wirklich zugehört hat? Der Kerl, der nicht ein einziges Mal gesagt hat: „Keine Ahnung.“? Den haben wir uns jetzt tausendfach nachgebaut und tragen ihn in unseren Hosentaschen mit herum. Der Typ wohnt jetzt in unserem Handy und auf unserem Arbeitsplatzrechner. Er heißt KI.



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5. September 2026 08:49 Uhr: Von Lutz D. an Redaktion Bewertung: +4.00 [4]

Wir werden alle älter.

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5. September 2026 15:41 Uhr: Von Rockhopper Flyer an Redaktion Bewertung: +5.33 [6]

Wow, jemand hat im Internet etwas gelesen, und es war falsch. Dazu gibt es seit 2008 den passenden XKCD: „Someone is wrong on the internet.” Falsche Informationen, schräge Forenposts und misleading Google-Treffer sind so alt wie das Netz. Die KI warnt wenigstens, dass sie Fehler machen kann. Der Kollege am Fliegerstammtisch, der erklärt, dass die Umkehrkurve aus 300 ft schon klappt, tut das nicht.

Wie immer gilt: Gehirn einschalten. Oder: „If you give a fool a faster tool, all you get is a faster fool.”

Denn KI ist ein unfassbar mächtiges Werkzeug. Anwendungen wie mein airfield.directory oder Brices FlyFunWeather gäbe es in dieser Form ohne KI schlicht nicht. Dass ein Sprachmodell heute noch Triebwerke falsch zählt, sagt über das Potenzial der Technologie ungefähr so viel aus wie ein Motorschaden 1905 über das Automobil. „Ich setze weiter aufs Pferd” war auch keine besonders weitsichtige Schlussfolgerung.

Ähnlich klang es übrigens, als das G1000 kam: Alles Schnickschnack, zu unzuverlässig, zu viel Elektronik, zu viel Ablenkung, ein ordentliches Sixpack tut’s doch. ADF needles for the win! iPad? Teufelszeug! Meine Papierkarte stürzt nicht ab

Die meisten Menschen haben noch nicht ansatzweise verstanden, wie tiefgreifend und positiv KI unsere Arbeit und Gesellschaft verändern wird. Wer als erfahrener Softwareentwickler täglich mit aktuellen Modellen arbeitet, bekommt davon zumindest eine Ahnung. Ähnliches berichten mir medizinische Forscher. Und das in einer atemberaubenden Geschwindigkeit.

Von einem Berufspiloten und kritischen Journalisten hätte ich mir deshalb deutlich mehr Differenzierung erwartet als eine Wutbürger-Kolumne auf BILD-Niveau.

In dem Zusammenhang sehr interessant zu lesen: https://www.golem.de/news/ki-assistenten-fuer-fluglotsen-das-ist-sehr-schwer-zu-programmieren-2608-212444.html. Über soetwas hätte ich mir eher in PuF einen Bericht erwartet.

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5. September 2026 16:48 Uhr: Von M. St. an Rockhopper Flyer Bewertung: +3.00 [3]

War auch etwas überascht über das Niveau des Beitrags. Schon der Aufmacher, der Vergleich einer KI mit einem Menschen, zeigt ein falsches Verständnis von dem was eine KI ist. Der Typ aus der Schulzeit oder von der Uni der zu jedem Thema etwas zu sagen hat, zieht aus seiner andauernden Belehrung einen emotionalen Gewinn – kennt man ja auch hier im Forum den Typus ;-) Bei einer Ki gibt's das nicht. Anders als dem dauerbelehrenden Korintenkacker kann man einer KI auch durchaus "keine Ahnung" beibringen. Dazu müsste man sich aber die Mühe machen eine zu trainieren und auf eine auf allgemeinen Gebrauch hin automatisierte Google-Ki zu verzichten. Im Prinzip ist das so wie vor 20 Jahren, als man beginnen musste sich für zB Google-Search über den richtigen und zielführenden Gebrauch von Suchbegriffen Gedanken zu machen. Man muss mit dem Werkzeug arbeiten um seine Stärken und Schwächen zu verstehn. Eine KI operiert übrigens auch mit einem anderen Wahrheitsbegriff als wir im Alltag. Ob eine Flugzeug zwei oder drei Triebwerke hat, ist für uns eindeutig – binär, wahr/falsch – entscheidbar. Eine KI gibt lediglich eine Wahrscheinlichkeit aus. Wer diese erhöhen will, muss die KI, wenn sie, wie im geschilderten Fall, völlig falsch liegt, eben zur Übung anleiten. Dann wird das schon.

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6. September 2026 11:12 Uhr: Von F. S. an Redaktion Bewertung: +2.00 [2]

(TLDR)
Der Autor hat versucht mittels "einer KI" aus einem Bild den Flugzeugtyp ermitteln zu lassen. Das Bild zeigt einen Jet frontal von vorne, wobei Leitwerk, zwei Triebwerke und Teile von Rumpf und Flächen zu sehen sind. Leider nennt der Autor weder das verwendete KI-Model, noch den Prompt.
Die KI antworte wohl, dass es sich bei dem Typ um eine Dassault Falcon 7X handle - was der Autor als Anlass nimmt, einen Rant über die Nutzlosigkeit von KI im Allgemeinen und ihre großen Gefahren für die Luftfahrt im Speziellen zu verfassen.

(Fakten)
Auf die Gefahr hin, dass der Autor des Artikels mir völlig meine Eignung als Pilot abspricht, würde ich auf Grund des veröffentlichten Bildes vermuten, dass es sich bei dem Flugzeug in Wirklichkeit um eine Dassault Falcon 6X handelt. Der "immense Fehler" der KI bestand also genau in einer Ziffer.
Allerdings sind sich die von mir befragten KI-Modelle da nicht so einig*:

  • Opus 5 erkennt den Typ zwar als zweistrahligen Dassault-Jet, tippt allerdings eher auf eine 2000. Es weist explizit darauf hin, dass es sich auch um eine 900/7x/8x handeln könnte, da man aus der Perspektive von vorne ein möglicherweise vorhandenes drittes Triebwerk nicht immer sieht.
  • GPT 5.5 und 5.6 Sol Erkennen einen zweistrahligen Business-Jet, Tippen aber eher auf eine Citation XLS.
  • Qwen 3.8:latest (raw/native) tippt auf einen Bombardier CRJ (ok, ist etwas daneben - aber als Raw-Model in vLLM steht diesem System als einzigem Testkandidaten auch keine Internet-Suche zur Verfügung).
  • Qwen 3.8:27B / Bionic-Harness: Tippt auf eine Global 8000 (und referenziert auf ein Front-Bild einer solchen im Internet, bei dem zumindest ich wirklich sehr lange hinschauen musste, um zu sehen, dass es sich um einen anderen Typ handelt)
  • Gemma4 26B A4B / Bionic Harness: Findet das gleiche Photo der Global 8000

Ausser die Modelle im Bionic-Harness sagen alle anderen in ihrer Antwort klar, dass man von einer einzelnen teilweisen Frontansicht nicht mit absoluter Sicherheit auf den Typ schliessen kann. Und einen solchen Harness ohne Systemprompt zu verwenden ist sicherlich auch grob fahrlässig und würde man in der Praxis eher nicht machen.
Die Kernkritik des Autors, dass KI niemals sagen würde, dass eine Antwort unsicher sei, konnte ich bei keinem der getesteten Modelle nachvollziehen.

(Kommentar)
Aussagen über "die KI" sind ja immer mit Vorsicht zu geniessen. Die Technik ist noch in so dynamischer Entwicklung, dass man kaum von einer heutigen Erfahrung grundsätzlich auf "die KI" schliessen kann. Wenn sie dann noch von einer Qualität sind, dass eine einzelne falsche Ziffer in einer einzelnen (noch dazu schlecht dokumentierten) Antwort als Anlass genommen wird, die Technologie an sich als Sicherheitsrisiko zu bezeichnen, ist das erst Recht bedenklich.
Gibt er Autor eigentlich auch seinen Flugschein ab, wenn er eine Ziffer am Funk falsch zurückliest, da er ja offensichtlich grundsätzlich ungeeignet zu sein scheine, die Fliegerei sicher zu betreiben?!?

Das einzige, was der Artikel leider in Summe zeigt, ist, dass ein sehr starkes Missverhältnis zwischen Stärke der Meinung zu einem Thema einerseits und tatsächliches Wissen über dieses Thema andererseits heutzutage leider kein auf KIs beschränktes Problem zu sein scheint...

*Da mir das Originalbild nicht vorliegt habe ich den Test mit einer mittels Google Image-Suche gefundenen ähnlichen Bild gemacht.
Prompt war in allen Fällen lediglich "Um welchen Flugzeugtyp handelt es sich?"
Um das Ergebnis nicht zu verfälschen habe ich eine cleane Sandbox verwendet - ohne meinen normalen Basis-Prompt. Dieser enthält natürlich "Accuracy is more important than completeness. Please always state if you are not sure about certain facts" und sollte damit das vom Autor beschriebene Verhalten ohnehin ausschliessen.
Der Bionic-Harness wurde frisch von Hermes aufgesetzt ebenfalls explizit ohne Systemprompt.

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